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Erleichterung und Nachdenklichkeit

Gleich auf mehreren Wahlparties fieberten Mitglieder der Frankfurter Linken am Sonntagabend den ersten Hochrechnungen entgegen. Die Freude, dass die Linke wieder im Landtag vertreten ist, war groß. Zugleich kamen aber auch Fragen auf, warum sie nicht stärker von der Schwäche der SPD profitieren konnte.

Viele hatten am Samstag abend bis in die späten Abendstunden Wahlkampf gemacht. Noch in der Kneipe wurden einige Nichtwähler überzeugt, am nächsten Tag aufzustehen und die Linke zu wählen. Und am Sonntag brachten Telefonweckanrufe bei Verwandten und Bekannten in ganz Hessen auch noch die eine oder andere Stimme.

Viele der tapferen Wahlkämpfer trafen sich am Sonntagabend im dafür angemieteten DGB Jugendclub am Mainufer wieder. Als die erste Hochrechnung mit 5,1% für die Linke kam, war klar: Die Linke ist wieder drin. Denn für gewöhnlich werden viele Großstadtwahlkreise erst spät fertig ausgzählt, so dass sich das Ergebnis immer noch ein wenig nach links verschiebt. Große Erleichterung und, dass es so knapp war, machte die Freude sogar noch größer, denn fast jeder im Raum hatte einige der entscheidenden Stimmen unmittelbar dazu beigetragen.

Doch nur Schulterklopfen war nicht angesagt. Volkhard Mosler vom Kreisvorstand wies in einer kurzen Ansprache darauf hin, dass dies der erste Wahlkampf war, den Die Linke unter den Bedingungen der Krise des Kapitalismus zu bewähltigen hatte. Wenn die Menschen Angst um ihren Arbeitsplatz haben, wenn sie durch das Profitsystem in ihrer Existenz bedroht werden, geht das nicht automatisch nach links. Viel Analyse und Beratung wird in den kommenden Wochen notwendig sein, um auf diese Situation die richtige Antwort zu finden.

Auch im Club Voltaire hatten sich viele linke Wähler und Mitglieder versammelt. Dort war das Spektrum aber natürlich bunter, auch SPD Mitglieder, Grüne und Anhänger der Piratenpartei waren unter den Gästen. Lothar Reininger und Heiner Halberstadt präsentierten die Frankfurter Ergebnisse. Auch hier gemischte Gefühle. Heiner traf den Nerv, als er in der Tradition des Clubs gerade auf die Bedeutung der Aufklärung, dem geduldigen Erklären der Ursachen für die Wirtschaftskrise hinwies. Nur wenn es den fortschrittlichen Kräfte gelingt, die Zusammenhänge richtig zu erklären, die zu Finanzchaos, Arbeitslosigkeit und Armut führen, kann ein gesellschaftsverändernde Kraft daraus entstehen. 

 

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Mario Wolf

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