Reaktionen auf der Straße
Die ältere Frau ist wütend. "Was die von der Arbeitsagentur mit uns machen, ist reine Schikane". Obwohl auch der Berater kaum Chancen wegen ihres Alters sieht, sie wieder in einen Job zu vermitteln, soll sie nun unbezahlt 3 Monate ein "Praktikum" machen, das aus völlig sinnlosen Tätigkeiten besteht.
Unter denen, die am Infostand vorbeilaufen, sind sicher viele, die ähnliche Geschichten zu erzählen hätten. Jetzt in der Hauptverkehrszeit bleiben allerdings nur wenige stehen. Die meisten kommen wohl von der Arbeit, wollen schnell nach Hause oder noch zum Einkaufen.
Aber jeder zweite nimmt ein Flugblatt und viele lächeln uns freundlich an. Immer wieder der kurze Satz: "Ich wähl Euch sowieso", hin und wieder auch ein "Nicht meine Partei". Aber auch das kommt noch recht freundlich rüber. Nur ein einziger in 4 Stunden fängt an auf das "Politbüro" zu schimpfen; er bekommt von uns ein freundliches "Noch einen schönen Abend für Sie" mit auf den Weg.
Das einzige, was die gute Stimmung an diesem Nachmittag etwas trübt, sind die doch recht vielen Unzufriedenen, die sich als Nichtwähler outen. "Politiker beuten uns alle aus", "Ihr könnt doch auch nichts für uns tun". Mit diesen Menschen würde man gern länger diskutieren, würde sie gern überzeugen, dass wir nur dann etwas für sie tun können, wenn sie uns wählen, wenn sie uns Informationen über konkrete Mißstände geben, wenn sie am besten gleich bei uns mitmachen. Politik für die Menschen zu machen geht auf Dauer nur, wenn mehr Menschen selber anfangen sich in die Politik einzumischen. Aber was nicht ist kann ja noch werden.

