Wir zahlen nicht für Eure Krise!
In Frankfurt wurde schon vor Beginn der Demonstration durch die Menschenmassen, die aus dem Hauptbahnhof strömten, deutlich: Das wird eine große Demo. Auf insgesamt 25.000 schätzten die Organisatoren die Teilnehmerzahl. Mit dem Demonstrationszug liefen wir dann vom Hauptbahnhof aus kreuz und quer durch das Bankenviertel zum Römerberg. Beeindruckend war die Länge der Demo. Ich stand ne Weile am Rand und macht Fotos - es hörte gar nicht auf. Vor allem aber war es eine bunte Sache von linken Kadergruppen bis zu lockeren esoterischen Grüppchen.
Nach dem doch beachtlichen Fußmarsch am Römerberg angekommen ging das Gedränge los. DIDF sei Dank gab es einen Stand mit Bratwurst, denn Hunger hatten inzwischen wohl viele ;-) Auf dem Podium ging derweil die Kundgebung los - moderiert von zwei Powerfrauen: Katinka von der IG Metall und Sidar vom Bundesverband der Migrantinnen. Die machten das ganz gut und stimmungsvoll und machten auch klar, dass Frankfurt nicht nur die Stadt des Geldes ist sondern auch eine Stadt, wo viele Nationen friedlich zusammenleben, es einen starken sozialen Widerstand gibt und Nazis unerwünscht sind. Dann gab es mehrere Reden u.a. von Gewerkschaftsfrauen sowie mehrere Musikgruppen.
Unangenehm fiel da schon ein Schwarzer Block auf, der sich in der Mitte des Platzes postiert hatte und lautstark störte. Vor allem Parolen gegen Gewerkschaften, aber auch viel einfach dummes Rumgeprolle. Vor allem hatten sie was gegen Oskar Lafontaine wobei sie uralte Zitate als Begründung benutzten. Nur gut, dass die Zone unmittelbar vor der Bühne von vernünftigen Leuten dicht besetzt war, so dass sie nicht näher ran konnten. Als Lafontaine dann sprach flogen Eier und sie versuchten sie mit Druck und Rempeleien zur Bühne vorzudringen. Das wurde durch entschlossene Leute, die Ketten bildeten, erfolgreich verhindert. Trotzdem war es eine gefährliche Situation, weil auch Familien mit Kindern in der Menschenmenge waren. Hätte leicht jemand verletzt werden können. Die Situation wurde schließlich entschärft, da Lafontaine nur kurz redete. Danach spielte die Band das Einheitsfrontlied und zahlreiche Demonstranten redeten auf die oft sehr jungen Mitglieder des Schwarzen Blocks ein bis diese weitgehend abzogen.
Die Stimmung wurde dann schnell wieder besser, es ging wieder um die Sache, die Wut auf die Banker und ihre Erfüllungsgehilfen im Staatsapparat kam gut rüber. Vor allem wurde sehr deutlich, dass man nur Erfolge erzielen kann, wenn Protestbewegung und Gewerkschaften an einem Strang ziehen. Dadurch kam auch die große Teilnehmerzahl zustande. Und ich denke beide Gruppen können viel voneinander lernen.
Wieder zu Hause, dann die Medienberichterstattung wie zu erwarten. Natürlich brachten sie die Eierwürfe auf Lafontaine als erstes nach dem Motto "Linke gegen Linke". Hauptsache erstmal was negatives berichten. Dann erst die Interviews mit einigen Demonstranten, die erklärten worum es auf der Demo ging. Aber ganz runterreden konnten sie die Demos nicht, denn die Beteiligung in Frankfurt und Berlin war ja schon beeindruckend. Hoffentlich stimmt das, was einiger der Interviewten sagten: Dass diese Demo erst der Anfang des Protests ist und es im Sommer erst richtig los geht.

